Interim Manager werden nach der Kündigung – Notlösung oder bewusste Entscheidung?


„Ich mache jetzt einfach Interim Management.“

Diesen Satz höre ich regelmäßig. Von Führungskräften, die gerade ihre Kündigung bekommen haben. Von Menschen, die monatelang auf der Suche sind und langsam ungeduldig werden. Von Leuten, die gehört haben, dass man als Interim Manager gutes Geld verdient – und die das erstmal verlockend klingt.

Ich sage dann meistens: Warte kurz.

Nicht weil Interim Management eine schlechte Idee wäre. Sondern weil „einfach so“ in diesem Fall wirklich keine gute Strategie ist. Dafür habe ich mir Maren Schmeling ins Studio geholt. Maren ist Partnerin bei Picano Interim Professionals und seit 16 Jahren selbst als Interim Managerin unterwegs. Sie weiß, was diesen Weg wirklich ausmacht.

Was Interim Management wirklich bedeutet

In der Festanstellung haben Sie ein regelmäßiges Gehalt, Urlaub, betriebliche Altersversorgung, Zuschuss zur Krankenversicherung und eine hohe Planbarkeit. Das klingt selbstverständlich – bis es wegfällt.

Als Interim Manager fällt all das weg. Gleichzeitig. Auf einen Schlag. Sie zahlen Ihre Krankenversicherung selbst, Sie finanzieren Ihre Weiterbildung selbst, Sie bilden Rücklagen für Zeiten ohne Mandat selbst. 800 Euro Tagessatz klingt erstmal viel. Aufs Jahr gerechnet, mit Leerläufen, eigenen Kosten und ohne Arbeitgeberzuschüsse, wird die Rechnung schnell nüchtern.

Was Kunden von Ihnen erwarten

In der Festanstellung gelten die ersten 100 Tage als Orientierungsphase. Als Interim Manager haben Sie keine 100 Tage. Sie haben vielleicht 10. Und nach einer Woche sollte bereits spürbar sein, dass Sie verstanden haben, wo der Hebel sitzt.

Das ist kein Druck – das ist das Geschäftsmodell. Kunden bezahlen einen hohen Tagessatz, weil sie schnelle Wirksamkeit kaufen, nicht Einarbeitung.

Der Vorteil, den kaum jemand nennt

Es gibt eine Seite des Interim Managements, die ich persönlich sehr reizvoll finde: Als Interim Manager müssen Sie sich nicht opportun bewegen, um langfristig zu überleben. Sie können unbequeme Wahrheiten aussprechen. Direkt. Ohne Rücksicht auf interne Politik.

Maren sagt es so: „Ich muss nicht beliebt sein. Ich muss wirksam sein.“

Das ist für viele Führungskräfte, die jahrelang in hierarchischen Strukturen gearbeitet haben, eine echte Befreiung. Vorausgesetzt, sie können damit umgehen.

Wer wirklich geeignet ist

Maren nennt mehrere Voraussetzungen, die sie in 16 Jahren als wirklich entscheidend erlebt hat:

Erfahrung in verschiedenen Unternehmen. Wer sein ganzes Berufsleben in einem einzigen Konzern war, hat einen Muskel nie trainiert: sich schnell in neue Umgebungen zu kalibrieren. Das ist im Interim Management eine Kernkompetenz.

Systemische Sichtweise. Nicht im Sinne eines Zertifikats, sondern die Fähigkeit, schnell zu erkennen, wo Dinge zusammenhängen und wo der echte Hebel sitzt.

Verkaufen können – und wollen. Das ist der Punkt, an dem viele scheitern. Nicht fachlich. Aber wer introvertiert ist und keine Lust hat, sich immer wieder neu zu positionieren, wird es schwer haben. Interim Management bedeutet: Sie vermarkten sich dauerhaft selbst.

Die Marktlage, die kaum jemand offen anspricht

Aktuell kommen viele Führungskräfte aus Festanstellungen in den Interim-Markt – mit dem Gedanken, dort schnell Fuß zu fassen. Das bedeutet: Überangebot. Gleichzeitig vergeben Kunden Mandate zunehmend über direkte Netzwerke, nicht über Provider. Wer darauf wartet, dass der nächste Anruf vom Provider kommt, kann gerade einige Monate warten.

Die Etablierten kommen über ihr Netzwerk an Aufträge. Die Neulinge müssen genau dieses Netzwerk erst aufbauen. Das kostet Zeit und Energie – bevor der erste Tagessatz fließt.

Wann Interim die richtige Entscheidung ist

Maren gibt einen klaren Rat: Interim Management darf kein Plan B sein. Nicht die Lösung, weil es mit der Festanstellung gerade nicht klappt. Wer mit einem halben Herzen in die Selbständigkeit geht, wird die schwierigen Phasen nicht durchhalten.

Wer hingegen wirklich Lust auf Flexibilität, auf neue Unternehmen, auf das unternehmerische Risiko hat – und wer verkaufen kann und mag – dem kann Interim Management eine außerordentliche Karrierephase sein.

Zu YouTube:

Ihr nächster Schritt

Shownotes

Maren Schmeling auf LinkedIn: linkedin.com/in/maren-schmeling-personalprojekt
Picano Interim Professionals: picano.de

Wenn Sie nach dieser Episode noch nicht sicher sind, ob Interim Management für Sie der richtige Weg ist – oder ob etwas anderes besser zu Ihrer Situation passt – lade ich Sie zu einer virtuellen Kaffeepause ein. 20 Minuten, kostenlos, kein Verkaufsgespräch. Wir schauen gemeinsam, wo Sie stehen.

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