Auf LinkedIn gefunden werden: Was Recruiter bei REWE wirklich sehen
Eine offene Stelle bei der REWE Group. Zwei Tage online. 800 Bewerbungen auf eine Position, willkommen in Sommer 2026. Vor zwei Jahren war das undenkbar.
So beschreiben es Maike Georg und Sarah Decker, die im Active Sourcing der REWE Group arbeiten und Positionen auch über LinkedIn besetzen. Man könnte meinen, bei so einer Zahl lohnt sich aktive Suche kaum noch. Gerade das Gegenteil ist der Fall: Je mehr Bewerbungen eingehen, desto wichtiger wird die gezielte Suche nach der passenden Person. Wer die richtige Stelle sucht, aber nicht selbst aktiv wird, verlässt sich auf den Zufall.
Ich habe mit den beiden gesprochen, wie diese Suche abläuft. Der Blick hinter die Kulissen lohnt sich für jeden, der auf LinkedIn gefunden werden möchte statt nur zu hoffen.
Wie der LinkedIn Recruiter Profile anzeigt
Maike Georg und Sarah Decker arbeiten mit dem LinkedIn Recruiter, einem kostenpflichtigen Tool für mehrere tausend Euro pro Lizenz. Darin sehen sie eine Art Lebenslauf: Titel, Stationen, Skills, alles, was Sie schriftlich im Profil hinterlegt haben. Fotos vom letzten Firmenlauf, Likes oder Kommentare fehlen komplett.
Das verändert die Ausgangslage: Ihr Profil wird nach Suchbegriffen gefiltert wie ein Formular, Sympathie spielt dabei keine Rolle. Zuerst grenzt REWE örtlich ein, dann nach Jobtitel oder konkreten Skills, die aus den Fachbereichen kommen. Sprachkenntnisse, Tools, Wissensgebiete wie Revision oder Audit. Alles, was im Profil steht, kann zum Treffer werden oder eben nicht.
Der erste Blick fällt auf den Jobtitel
Wer als Data Analyst gefunden werden will, sollte im Titel auch Data Analyst stehen haben. Sarah Decker nennt als Gegenbeispiel Sätze wie „Ich liebe Daten" statt der konkreten Berufsbezeichnung. Klingt sympathisch, taucht aber in keiner Suchmaske auf.
Sarah Decker sieht diesen Fehler oft: Menschen orientieren sich zu stark an dem, was im Arbeitsvertrag steht. Das ist der falsche Maßstab, das predige ich schon lange. LinkedIn ist keine vertragliche Grundlage, die irgendjemand später gegen Sie verwendet. Wenn Sie sich in eine andere Richtung entwickeln möchten, darf das im Titel stehen, auch wenn es von der offiziellen Positionsbezeichnung abweicht.
Direkt danach folgt der Infotext, im LinkedIn Recruiter „Zusammenfassung" genannt. Das ist laut Maike Georg der zweite Berührungspunkt nach Titel, Name und Foto. Ein knapper, konkreter Text wirkt hier stärker als ein ellenlanger Roman, der selten zu Ende gelesen wird.
Weniger Skills, mehr Wirkung
Sarah Decker beschreibt ein Muster, das ihr im Alltag oft begegnet: Profile mit gut 80 hinterlegten Skills, bei denen sie lange scrollen muss, bis irgendwo an Position 87 das Stichwort auftaucht, nach dem sie eigentlich sucht.
Skills aus völlig unterschiedlichen Bereichen verwässern das Bild. Recruiter erkennen dann kaum noch, wonach Sie eigentlich gefunden werden möchten. Skills, die nicht mehr zur gewünschten Richtung passen, dürfen gelöscht werden, auch wenn andere sie einmal bestätigt haben. Die LinkedIn Suche funktioniert größtenteils semantisch, Synonyme wie Recruiting und Personalbeschaffung werden meist trotzdem gefunden. Bei den Skills selbst gilt: konkret bleiben statt jede mögliche Kompetenz aufzuzählen.
#Opentowork: Offen für Jobangebote: worauf es ankommt
Das grüne Open to Work Banner sorgt bei vielen für gemischte Gefühle. Aus Sicht des Recruitings ist es für die Suche selbst kaum relevant, sagt Sarah Decker. Entscheidend ist das Feld „Offen für" im Profil, das anderen Mitgliedern nicht öffentlich als grüner Kreis angezeigt wird. Dort lässt sich konkret angeben, welche Position, welches Arbeitsmodell und welche Verfügbarkeit gesucht werden. Der LinkedIn Recruiter priorisiert diese Angaben bei der Suche.
Das Feld „Offen für" auszufüllen kostet nichts und bringt bei der internen Suche mehr als das sichtbare Banner. Wer das Banner aus Rücksicht auf die aktuelle Chefin oder den aktuellen Chef nicht öffentlich zeigen möchte oder kann, verliert dadurch beim Active Sourcing nichts. Sichtbar ist es dann eher für "Weiterempfehlung".
Der Quereinstieg braucht eine Erklärung
Maike Georg ist selbst ein gutes Beispiel dafür, wie ein Wechsel im Profil nachvollziehbar wird. Sie hat lange im Vertrieb bei der REWE Group gearbeitet, dort aber als Führungskraft viele Schnittstellen zu HR Themen übernommen. Diese Erfahrung hat sie bewusst in ihr Profil geschrieben, obwohl ihr offizieller Jobtitel nie HR hieß. Genau das macht für Sourcerinnen und Sourcer nachvollziehbar, warum sie sich im Feld „Offen für" auf HR Positionen ausrichtet.
Wer sich beruflich verändern möchte, sollte diese Verbindung explizit herstellen: Was haben Sie bisher gemacht und wohin wollen Sie?
„Ich bin für alles offen" funktioniert dabei fast nie, so beide Sourcerinnen unabhängig voneinander. Ein Profil ohne Richtung wirkt für die Suche beliebig.
Was Sie diese Woche ändern können
Konkret heißt das für Ihr eigenes Profil:
- den Jobtitel prüfen, ob dort die Bezeichnung steht, unter der Sie gefunden werden wollen, oder nur die aus dem Arbeitsvertrag.
- Die Skills kürzen auf das, was zur gewünschten Richtung passt.
- Und das Feld „Offen für" konkret ausfüllen, auch ohne das grüne Banner zu aktivieren.
Nach ihren wichtigsten Tipps gefragt, fällt die Antwort von Sarah Decker und Maike Georg kurz aus: die goldene Mitte. Weder zu viel noch zu wenig und alles ausgerichtet auf das, was man wirklich will.
Wie Recruiter bei der REWE Group konkret nach Kandidatinnen und Kandidaten suchen und welche Fehler Maike Georg und Sarah Decker im Alltag am häufigsten sehen, hören Sie in der vollständigen Episode „Wie werde ich eigentlich richtig gefunden?" im Podcast Karriere und Bewerbung.
Wenn Sie gerade ohnehin überlegen, was beruflich noch zu Ihnen passt:
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Shownotes:
Maike Georg LinkedIn
Sarah Decker LinkedIn
Zu Active Sourcing habe ich schon mal eine Episode aufgenommen, wie die genau suchen.
Im September 2026 startet wieder mein Mentoring-Programm NEXT STEP.
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