Open to Work auf LinkedIn: So werden Sie für Ihren nächsten Job sichtbar
Open to Work ist kein Hilferuf. Aber ein grüner Rahmen um Ihr Foto allein bringt Sie auch noch nicht zum richtigen Job.
Wenn Sie gerade einen neuen Job suchen, sind Sie vermutlich schon über die Funktion „Open to Work" auf LinkedIn gestolpert. Vielleicht haben Sie sich auch gefragt: Soll ich den grünen Rahmen überhaupt nutzen? Wirkt das nicht irgendwie verzweifelt? Was denken Recruiter darüber?
Meine Antwort als ehemalige Personalleiterin und heutige Karriere-Coach ist ziemlich klar: Es geht nicht darum, ob Sie „Open to Work" auf LinkedIn nutzen. Es geht darum, wofür Sie offen sind – und ob man das auch erkennt. Denn genau da beginnt die eigentliche Jobsuche.
Was bedeutet „Open to Work" auf LinkedIn?
Mit der Funktion „Open to Work" können Sie bei LinkedIn hinterlegen, dass Sie offen für neue berufliche Möglichkeiten sind. Sie können unter anderem angeben, welche Positionen Sie suchen und welche Arbeitsorte bzw. Arbeitsformen für Sie infrage kommen. Je nach Einstellung können diese Informationen Recruitern oder auch Ihrem gesamten LinkedIn-Netzwerk angezeigt werden.
Der #OpenToWork-Rahmen ist für alle LinkedIn-Mitglieder sichtbar, er ist aber (derzeit) keine hinterlegte Funktion, nach der gesucht werden kann – er ist also nur optisch vorhanden. Entscheiden Sie sich in den Einstellungen für „nur Recruiter", wird Ihr Status gezielt für Nutzer von LinkedIn Recruiter sichtbar, ohne dass der grüne Rahmen auf Ihrem Profilfoto erscheint.
Und jetzt kommt der wichtige Punkt: Open to Work ist ein Signal, kein Jobangebot. Das Signal kann Türen öffnen, weil es alle sehen. Durch die Tür müssen Sie allerdings selbst gehen.
Wirkt Open to Work nicht needy?
Diese Sorge höre ich immer wieder: „Was denken denn die anderen, wenn ich diesen grünen Rahmen habe?" Auch in meiner Podcastfolge mit Britta, die die LinkedIn-Community Open to Work ehrenamtlich mitmoderiert, sprechen wir genau darüber.
Die Community entstand unter anderem aus der Haltung heraus, dass Jobsuchend-Sein zunächst einmal ein Status ist, kein Makel. Und genau das finde ich wichtig: Sie müssen sich nicht dafür schämen, dass Sie einen neuen Job suchen.
Ein Jobverlust kann betriebsbedingt sein. Eine Abteilung kann geschlossen werden. Ein Standort kann wegfallen. Oder Sie stellen irgendwann fest: Dieser Job passt einfach nicht mehr zu mir. Das sagt noch lange nichts über Ihren Wert als Fach- oder Führungskraft aus.
Auch im aktuellen BRIGITTE-Interview habe ich darüber gesprochen, warum sich Menschen in schwierigen Zeiten zuerst fragen sollten, wohin sie eigentlich wollen, bevor sie vorschnell kündigen. Denn berufliche Veränderung braucht nicht nur Mut. Sie braucht eine Richtung.
Open to Work allein reicht nicht
Jetzt kommt der Teil, den ich manchmal etwas unbequem finde: Sie können noch so schön „Open to Work" auf Ihrem Profil stehen haben – wenn niemand versteht, was Sie können, was Sie wollen und wofür Sie stehen, wird es schwierig.
„Ich bin offen für alles." Diesen Satz höre ich immer öfter. Er klingt flexibel, für einen Recruiter bedeutet er aber meistens: „Ich weiß nicht genau, wonach diese Person sucht." Das macht die Suche nicht leichter.
Stellen Sie sich vor, ein Unternehmen sucht eine erfahrene B2B-Marketingexpertin mit Erfahrung im Bereich Thought Leadership. Dann sollte Ihr LinkedIn-Profil möglichst schnell erkennen lassen, dass genau das Ihr Thema ist.
Vage klingt das so: Marketing, Kommunikation, Projektmanagement, Vertrieb, Personal, Social Media, Strategie – und eigentlich bin ich für vieles offen.
Konkret klingt das so: Dafür stehe ich. Das kann ich. Das möchte ich künftig einbringen. Der Unterschied entscheidet, ob man Sie findet.
Ihr LinkedIn-Profil arbeitet auch dann, wenn Sie schlafen
Deshalb ist LinkedIn für mich viel mehr als eine Jobbörse. Ihr Profil ist keine digitale Visitenkarte, die Sie nur verschicken, wenn Sie sich irgendwo bewerben – es arbeitet 24 Stunden am Tag für Sie.
Recruiter suchen auf LinkedIn nach bestimmten Qualifikationen, Erfahrungen und Begriffen. LinkedIn selbst nutzt unter anderem Überschrift, Info-Bereich, Berufserfahrung und Ausbildung für passende Jobempfehlungen und auch Recruiter finden Kandidatinnen und Kandidaten anhand ihrer hinterlegten beruflichen Interessen und Open-to-Work-Angaben.
Fragen Sie sich also: Welche Begriffe würde ein Unternehmen verwenden, wenn es jemanden wie Sie sucht? Genau diese Begriffe gehören – passend und ehrlich – in Ihr Profil, als klare Beschreibung Ihrer beruflichen Kompetenz. Ein Keyword-Salat bringt Sie dabei nicht weiter.
Der grüne Badge ist nicht das eigentliche Problem
Ich würde deshalb nicht pauschal sagen: „Bloß nicht Open to Work einschalten!" Im Gegenteil: Wenn Sie tatsächlich auf Jobsuche sind und offen damit umgehen können, kann das sichtbare Signal sinnvoll sein. Es macht auch Menschen in Ihrem Netzwerk aufmerksam, die gerade keinen Job für Sie haben, aber jemanden kennen, der einen hat.
Genau das ist wichtig, denn Jobsuche findet nicht nur zwischen Ihnen und einem Unternehmen statt – Menschen bringen Menschen zusammen. In der Open-to-Work-Community und meinen NEXT STEP-Kursen erleben Britta und ich immer wieder, wie wertvoll dieser Austausch ist: Menschen teilen Erfahrungen, geben sich Hinweise, schauen gemeinsam auf Bewerbungsunterlagen oder weisen auf interessante Möglichkeiten hin. Manchmal reicht ein Satz wie: „Schau mal, das könnte doch zu dir passen." Sie müssen die Jobsuche nicht alleine am Wohnzimmertisch bewältigen.
Open to Work und der verdeckte Stellenmarkt
Und damit sind wir bei einem weiteren wichtigen Thema: dem verdeckten Stellenmarkt. Viele stellen sich darunter fast "eine geheime Tür" vor, hinter der die guten Jobs liegen und zu der nur ein paar ausgewählte Menschen den Schlüssel besitzen. So funktioniert es nicht. Viele Positionen werden schlicht nicht ausschließlich über öffentliche Stellenanzeigen besetzt – Netzwerke, Empfehlungen, Headhunter, Active Sourcing, interne Kontakte und Initiativbewerbungen spielen ebenfalls eine Rolle.
Wenn Sie darüber mehr wissen möchten, habe ich dem Thema bereits einen eigenen Artikel gewidmet: Verdeckter Stellenmarkt: Warum Sie gefunden werden sollten. Der entscheidende Punkt für Ihre Open-to-Work-Strategie: Sie müssen auffindbar sein. Dafür reicht es nicht, einmal den grünen Badge anzuklicken.
Gefunden werden beginnt mit einer Entscheidung
Bevor Sie also Ihr LinkedIn-Profil überarbeiten, stellen Sie sich drei Fragen:
- Was kann ich? Die entscheidende Frage lautet: Welche Fähigkeiten und Erfahrungen machen Sie besonders wertvoll – nicht Ihre komplette berufliche Biografie.
- Was möchte ich? Welche Aufgaben möchten Sie künftig übernehmen, welche Art von Unternehmen passt zu Ihnen, welche Rahmenbedingungen brauchen Sie?
- Wofür möchte ich gefunden werden? Das ist die entscheidende Frage: Wenn Sie selbst nicht wissen, wonach Sie suchen, wird es für andere schwierig, Ihnen den richtigen Job anzubieten. Dafür brauchen Sie noch keinen perfekten Fünfjahresplan – aber eine Richtung wäre hilfreich.
„Ich bin offen für alles" ist keine Strategie
Das klingt vielleicht hart, aber gerade Menschen mit viel Berufserfahrung machen sich damit manchmal das Leben unnötig schwer. Sie können vieles, Sie haben viele Erfahrungen gesammelt, Sie könnten sich auch vorstellen, noch einmal etwas ganz anderes zu machen. Und deshalb steht im Profil am Ende: „Ich bin offen für neue Herausforderungen." Aber für welche?
Wenn Sie 15 oder 20 Jahre Berufserfahrung haben, ist es gerade Ihre Stärke, dass Sie etwas können – zeigen Sie es. Sie müssen sich nicht kleiner machen, nur weil Sie einen neuen Job suchen, und Sie müssen auch nicht den nächstbesten Job nehmen.
Erst wissen, was Sie wollen – dann zeigen, wer Sie sind
Da sind Britta und ich uns sehr einig: Bevor Sie Ihre Jobsuche optimieren, sollten Sie sich selbst noch einmal genauer anschauen – mit genau den drei Fragen von oben. Erst dann wird aus „Open to Work" ein sinnvolles Signal.
Das gilt übrigens auch für den Einsatz von KI bei der Jobsuche. KI kann inzwischen gut dabei helfen, passende Unternehmen zu recherchieren oder Kriterien zu strukturieren. Aber auch hier gilt: Wenn Sie nicht wissen, wonach Sie suchen, bekommen Sie vermutlich jede Menge Ergebnisse – nur nicht unbedingt die richtigen.
Und was ist mit dem Lebenslauf?
Die Jobsuche endet nicht bei LinkedIn. Wenn Sie sich auf ausgeschriebene Stellen bewerben, kommt irgendwann Ihr Lebenslauf ins Spiel und je nach Unternehmen läuft dieser zunächst durch ein Bewerbermanagementsystem, ein sogenanntes ATS. Dazu habe ich bereits einen eigenen Artikel geschrieben: ATS-konformer Lebenslauf: So klappt's wirklich.
Aber auch hier gilt: Der beste ATS-optimierte Lebenslauf hilft Ihnen wenig, wenn Sie sich auf den falschen Job bewerben. Das ist vielleicht die unbequemste, aber wichtigste Erkenntnis: Die Bewerbung ist nicht immer der erste Schritt. Manchmal lautet der erste Schritt schlicht: Was will ich eigentlich?
Open to Work ist ein Werkzeug, nicht Ihr Ziel
Wenn Sie gerade auf Jobsuche sind: Sie können Open to Work nutzen, Ihr LinkedIn-Profil optimieren, netzwerken, den verdeckten Stellenmarkt nutzen, Ihren Lebenslauf überarbeiten, KI einsetzen. Aber bitte machen Sie daraus keine Beschäftigungstherapie. Am Ende zählt der richtige Job, nicht möglichst perfekte Jobsuche.
Den Job, bei dem Ihre Erfahrung zählt. Den Job, bei dem Sie Ihre Stärken einsetzen können. Den Job, bei dem Sie nicht schon Sonntagabend schlechte Laune bekommen. Kurz gesagt: den Job, für den Sie montags gerne aufstehen.
Sie wissen noch nicht genau, welcher Job das ist? Dann ist das kein Grund zur Panik. Genau an diesem Punkt beginnt meine Arbeit mit vielen Menschen.
Im NEXT STEP geht es nicht darum, möglichst schnell irgendeine Bewerbung rauszuschicken. Wir schauen gemeinsam: Was wollen Sie? Was können Sie? Und wie wird daraus Ihr nächster richtiger Schritt? Der nächste Durchgang startet am 28. September 2026. Mehr über NEXT STEP und den richtigen Job
Und wenn Sie erst einmal herausfinden möchten, wo Sie überhaupt anfangen sollen, lade ich Sie zu meinem Webinar „Karriere neu gedacht" am 17. September 26 ein. Dort geht es genau um die Frage: Bleiben, gehen – und wenn gehen, wohin eigentlich? Zum Webinar „Karriere neu gedacht"
Denn Open to Work darf gerne auf Ihrem Profil stehen. Aber noch wichtiger ist, dass Sie wissen, wofür Sie offen sind. Vielleicht ist genau jetzt der richtige Zeitpunkt, damit anzufangen. Es könnte ja gut werden.
Häufige Fragen zu Open to Work
Was bedeutet Open to Work auf LinkedIn?
Open to Work zeigt, dass Sie für neue berufliche Möglichkeiten offen sind. Sie können dabei hinterlegen, welche Positionen, Arbeitsformen und Standorte für Sie interessant sind.
Sollte ich Open to Work auf LinkedIn aktivieren?
Das hängt von Ihrer persönlichen Situation ab. Wenn Sie offen sichtbar nach einem neuen Job suchen möchten, kann der grüne #OpenToWork-Rahmen ein sinnvolles Signal sein. Alternativ können Sie Ihre beruflichen Interessen auch nur für Recruiter sichtbar machen.
Können Recruiter sehen, dass ich Open to Work bin?
Ja. Wenn Sie Ihre beruflichen Interessen für Recruiter freigeben, können Nutzer von LinkedIn Recruiter diese Informationen bei passenden Suchen sehen. LinkedIn versucht dabei, Recruiter aus Ihrem aktuellen Unternehmen von diesen Angaben auszuschließen, weist aber ausdrücklich darauf hin, dass vollständige Vertraulichkeit nicht garantiert werden kann. Manchmal sourcen externe Dienstleister im Auftrag eines Unternehmens – dann kann LinkedIn nicht wissen, für wen.
Was bringt der grüne Open-to-Work-Badge?
Er macht für andere LinkedIn-Mitglieder sichtbar, dass Sie offen für neue berufliche Möglichkeiten sind. Dadurch können auch Kontakte aus Ihrem Netzwerk aufmerksam werden und Sie beispielsweise weiterempfehlen.
Reicht Open to Work aus, um einen neuen Job zu finden?
Nein. Open to Work ist ein Signal, aber keine vollständige Jobsuchstrategie. Ein klares LinkedIn-Profil, eine verständliche Positionierung, Networking und eine aktive Suche nach passenden Unternehmen gehören ebenfalls dazu. Und wichtig: Der grüne Kreis ist nur Optik, kein Suchkriterium.
Wie werde ich auf LinkedIn von Recruitern gefunden?
Achten Sie darauf, dass Ihr Profil klar zeigt, welche Aufgaben, Qualifikationen und Erfahrungen Sie mitbringen. LinkedIn berücksichtigt unter anderem Angaben aus Überschrift, Info-Bereich, Berufserfahrung und Ausbildung bei passenden Jobempfehlungen.
Shownotes:
NEXT STEP Mentoring für Führungskräfte ab 28. Sept 26
LinkedIn offen für Jobangebote Hilfeseite
virtuelle Kaffeepause mit Tanja

