Werte, wie finde ich heraus, was mir wirklich wichtig ist?

Wertebegriffe

Wie finde ich heraus, was mir wirklich wichtig ist?

Werte, was sind sie wert?

In meiner Filterblase wird derzeit gerade so viel über „Werte“ gesprochen. Wertorientierte Führung, Wertschätzung, Cultural Fit – aber was heißt das für jeden einzelnen eigentlich und wie funktioniert wertorientierte Führung?
Für mich als Personalerin, die schon jahrelang im Trainingsbereich unterwegs ist, ist das nicht so wirklich neu und vieles auch selbstverständlich, da es zu meinem „Job“ gehört. Ich habe mich damit bereits sehr intensiv beschäftigt. Aber wie ist das eigentlich bei Ihnen?

Wissen Sie, was Ihre Werte sind?
Wissen Sie was Ihnen wirklich wichtig ist?

Haben Sie sich schon mal die Zeit genommen, um darüber nachzudenken? So im Vorbeigehen hat da sicherlich jeder schon seine Werte definiert. Aber was sind denn eigentlich Werte und wie kann ich die denn bitte herausfinden?

Was sind eigentlich Werte?

Werte kann man nicht anfassen. Werte kann man nicht in eine Schubkarre legen, hab ich mal in meiner Ausbildung gelernt. Werte sind ganz individuell und bedeuten trotz gleichem Wortlaut nicht für jeden den gleichen „Inhalt“. Es gibt auch Werte, die z.B. Kulturen auszeichnen, beschreiben oder gerade unterscheiden. Eine Kultur verkörpert als kollektives System auch bestimmte Werte, auf die sich die ursprünglichen Personen „geeinigt“ haben.
Aber wir bleiben hier mal bei den individuellen Werten.

Also was sind denn nun Werte?
Werte sind Inhalte von Begriffen, die Ihnen wirklich wichtig sind, die Ihnen am Herzen liegen. Begriffe/Inhalte, auf die Sie am allerwenigsten verzichten möchten.

Es sind Ihre Motive, warum Sie etwas machen und tun, warum Sie sich in Bewegung setzen. Werte bestimmen Ihr Denken, Fühlen und Handeln.

Ein Beispiel:
Geld alleine ist kein Wert, die Frage ist, was wollen Sie damit machen oder erreichen?
Wofür brauchen Sie das Geld? Sicherlich um Rechnungen zu begleichen, aber wozu noch?
Vielleicht träumen Sie von einem Sportwagen oder Sie möchten Ihren Kindern ein Studium finanzieren.
Was ist der wahre Antrieb dahinter? Und in Begleitung eines Coaches ist es spannend herauszufinden, wenn Sie sich dann noch 5 mal die gleiche folgende Frage stellen: Was ist mir noch wichtiger als das!?

Sicherheit, Sinn, Anerkennung, Kollegialität, Abenteuer, Gerechtigkeit, Freiheit, Lernen, Entwicklung, Erfolg, Ehrgeiz, Vertrauen, Gesundheit, Geborgenheit, Natur, Spaß, Verantwortung sind Werte, um nur mit ein paar Werten anzufangen.
Wertebegriffe

Wenn unser Wert erfüllt ist, fühlen wir uns wohl.
Wenn unser Wert nicht erfüllt ist, sind wir genervt.
Wenn unser Wert verletzt wird, schmerzt es sogar.

Warum ist es wichtig zu wissen, was unsere Werte sind?

Wenn Sie Ihre eigenen Werte kennen und auch leben,

  • sind Sie zufriedener,
  • fällt es Ihnen leichter Entscheidungen zu treffen,
  • Ihre Bedürfnisse zu erfüllen,
  • die richtigen Ziele zu definieren
  • auf die für Sie wichtigen Dinge zu fokussieren.

Wenn ich meine Werte nicht kenne, dann vernachlässige ich ganz schnell meine Bedürfnisse und werde unzufrieden. Im beruflichen Kontext merken Sie, wie Sie plötzlich nicht mehr gerne mit einer Person zusammenarbeiten oder wie Sie plötzlich feststellen, dass Sie montags nicht mehr gerne zur Arbeit gehen. Sie werden unzufrieden.

Wir sind mit Begeisterung im Job unterwegs, wenn wir die eigenen Wertvorstellungen jeden Tag
mit unserem Tun verbinden können.
Na, das lohnt sich doch herauszufinden, oder???

Werte stehen hinter unseren Verhaltensweisen und sind unsere inneren Motivatoren. Wenn ich mein Verhalten ändern möchte, aber Werte habe, die zu dem gewünschten Verhalten im Widerspruche stehen, dann werde ich dabei keinen Erfolg haben. Mein neues Verhalten werde ich dann nicht lange beibehalten können. Nur wenn meine Werte mein Verhalten unterstützen, werde ich es schaffen, mein Verhalten/Leben dauerhaft zu verändern.

Aus unseren Werten heraus urteilen wir, was wir für gut oder schlecht halten. Wir legen fest, was für uns angenehm oder unangenehm ist. Wir beurteilen danach sogar was für uns wahr oder falsch ist. Und wir entscheiden, was für uns angemessen oder unangemessen ist!

Werte sind damit der Dreh- und Angelpunkt unserer Entscheidungen und auch unseres Handelns.

Wenn wir nicht nach unseren Werten handeln, dann fühlen wir uns nicht wohl, dann sind wir nicht „authentisch“. Und dann geht es uns auch nicht gut. Und das gilt sowohl im Job, als auch im privaten Umfeld.
Unsere Werte bestimmen unsere Prioritäten im Fühlen, im Denken und im Handeln. Dementsprechend werden Situationen von uns bewertet.

Werte sind leider noch kein Schulfach, daher sind sie häufig unbewusste Teile unserer Persönlichkeit, weil wir uns viel zu selten damit beschäftigen.

Ändern sich unsere Werte?

Meistens sind unsere Werte im Laufe des Lebens relativ stabil. Die Prioritäten können sich je nach Lebensabschnitt leicht verändern. Eine explizite Veränderung findet meistens nur durch Tod, Krankheit, Hochzeit oder Geburt statt, also durch einschneidende Erlebnisse.

Werte können damit auch als unser innerer Kompass bezeichnet werden.

Wie komme ich zu meinen Werten?

Werte prägen sich durch unsere Bildung, durch unsere Erziehung und auch durch die persönliche Lebenserfahrung. Daher sind sie immer sehr individuell.

Wie finde ich meine Werte heraus?

Hier ein paar Fragen für Sie, damit Sie Ihre eigenen Werte herausfinden können:

Was wollen Sie wirklich erreichen? Welche Bereiche sind für Sie wichtig?
Was brauchen Sie, um sich täglich wohl zu fühlen?
Was ist Ihnen wichtig im Leben: Nehmen wir Beispiele, wie Freundschaft, Aufrichtigkeit oder Respekt?

Notieren Sie spontan, was Ihnen dazu einfällt. Was heißen diese Werte für Sie?

Woran möchten Sie auf alle Fälle festhalten?

Woran orientieren Sie sich in Ihrem Leben?

Welche Werte haben Sie von Ihren Eltern übernommen? Passen die eigentlich noch zu Ihnen?

Wann sind Sie stolz auf sich?

Wann fühlen Sie sich wohl in Ihrer Haut?

Wie reagieren Sie in Stresssituationen oder unter Druck?

Was sagt Ihr Bauchgefühl statt rational den Kopf zu fragen?

Wofür haben Sie Ihre Zeit genutzt?

Wenn ich viel Zeit in die Familie investiere, ist es dann der Wert Geborgenheit, Liebe oder Vertrauen

Wofür haben Sie Geld ausgegeben? Wenn Sie z.B. ein Haus gekauft habe, ist das der Wert Sicherheit oder Luxus? Denken Sie an Ihren Urlaub, wohin sind Sie gefahren/geflogen war es Entspannung oder Neugier neue Orte kennenzulernen.

Was war der Hauptgrund?

Wofür werde ich mein Geld und meine Zeit in 2-5 Jahren investieren?

Eine weitere Übung ist die folgende.
Teilen Sie ein DIN A4 Blatt in zwei Hälften auf und schreiben Sie über den einen Bereich:
Wer hat mich in meinem Leben unterstützt und wodurch?

Über den zweiten Bereich:
Wer hat mir im Leben geschadet und wie?

Auch hier können Sie erkennen, welche Werte Ihnen wichtig sind. Die, die Ihnen weitergeholfen haben und die, die Sie verletzt haben.

Vielleicht möchten Sie ein paar Bereich unterscheiden, weil Sie sich mit einigen Werten nicht in jedem Bereich gleich gut fühlen oder die Werte nicht gleich wichtig sind:

Sie könnten folgende Bereiche unterteilen:

  • Karriere/Leistung
  • Persönliche Entwicklung/Wissen und mein Sinn
  • Beziehungen/Kontakte/Freundschaften
  • Freizeit/Hobbys
  • Körper/Gesundheit

Schreiben Sie sich auf:
Was ist mir wichtig im Bereich…

In meinen Coachings mache ich gerne auch eine Werte Priorisierung.
Welches sind Ihre 10 Top-Werte? Und welcher Wert hat die höchste Relevanz für Sie?
Schauen Sie sich Ihre Werte an, in welcher Reihenfolge stehen die Werte für Sie?

Wie bereits erwähnt, sind die Begriffe für jeden individuell, daher ist es nochmal wichtig, dass Sie aufschreiben, was der Wert ….. für Sie konkret heißt.
Was gehört für Sie zu dem Wert dazu? Spannend ist es dann auch, die Frage noch im Anschluss zu stellen: Was ist mir noch wichtiger als das!?

Nehmen Sie sich Zeit und lassen Sie sich das durch den Kopf gehen. Was heißt der Wert für Sie?

 

Jetzt wollen wir das Ganze aber auch mit Leben füllen. Die Theorie und wie Sie die Werte finden, wissen Sie jetzt.

Wie und wo leben Sie Ihre Werte jetzt schon? Wie können Sie die Ihnen am wichtigsten Wert in Ihren Alltag einbringen?

Wie erkenne ich denn die Werte in einem Unternehmen?

Häufig wird bereits auf der Website beschrieben, welche Werte ein Unternehmen hat. Nur leider wird in der Praxis viel zu selten auf die Umsetzung und das Ausfüllen der Werte im täglichen Umgang miteinander geachtet.

Hat jeder seine eigene Frühstückstasse oder nutzen alle das gleiche Geschirr?
Wie ist denn die Kleiderordnung im Unternehmen, Anzug oder Pulli?
Wie ist die „Parkplatzordung“, wer darf wo parken?
Wie wird mit Kunden und Lieferanten umgegangen?
Gibt es Tiere im Büro?
Sind Überstunden selbstverständlich?

Hier können Sie die Werte des Unternehmens erkennen: Sitzen alle im gleichen Boot oder ist Individualität angesagt?

In der Forschung/Wissenschaft werden sogenannte Sinus-Milieus erstellt. Menschen werden nach ihrer Grundhaltung und Lebensweise gruppiert. Grundlegende Werteorientierungen sowie die Haltung zur Arbeit, Freizeit, Familie, Konsum und Politik werden mit demografischen Eigenschaften wie Bildung, Beruf und Einkommen in einen Kontext gestellt. Ich fand diese Sinusmilieus in meiner Anstellung bei SAT.1 in der Werbung immer ganz spannend.

Unternehmen können das nutzen, um Sie als Bewerber „anzuziehen“. Anders herum können Sie natürlich auch schauen, was passt eigentlich zu Ihnen. Wie passen Sie mit Ihren Werten und Einstellungen zu anderen?

Sich mit seinen eigenen Werten auseinanderzusetzen und zu erkennen, welche Werte für einen selbst die wichtigsten sind, hilft das Leben wertvoller zu machen.
Häufig entstehen Konflikte durch unterschiedliche Werte.

Was uns wichtig ist, dafür nehmen wir uns Zeit! Oder wir sind traurig, wenn keine Zeit dafür übrig bleibt. Jedem von uns liegen andere Dinge am Herzen.

Wie passt jetzt noch der Begriff Wertschätzung dazu?

Wir haben gelernt, je nachdem wie wir ticken, sind uns unterschiedliche Werte wichtig. Sie werden einen Mitarbeiter nicht mit Geld motivieren, wenn ihm/ihr das Motiv Geld und der Wert dazu nicht wichtig ist. Wenn dem Mitarbeiter z.B. Anerkennung wichtig ist, dann sind Sie viel erfolgreicher mit einem Lob oder einem Gespräch über die guten Leistungen oder die neuen Ideen oder das Engagement.

ABER das funktioniert nur, wenn es kein Lippenbekenntnis, sondern ehrlich gemeint ist.
Wikipedia formuliert die Definition von Wertschätzung wie folgt:
Wertschätzung bezeichnet die positive Bewertung eines anderen Menschen. Sie gründet auf eine innere allgemeine Haltung anderen gegenüber. Wertschätzung betrifft einen Menschen als Ganzes, sein Wesen. Sie ist eher unabhängig von Taten oder Leistung, auch wenn solche die subjektive Einschätzung über eine Person und damit die Wertschätzung beeinflussen.
Wertschätzung ist verbunden mit Respekt, Wohlwollen und drückt sich aus in Zugewandtheit, Interesse, Aufmerksamkeit und Freundlichkeit.
Hier haben wir die Werte, die Wertschätzung ausdrücken.
Empfangene und gegebene Wertschätzung vergrößern das Selbstwertgefühl sowohl beim Empfänger als auch beim Geber. Wertgeschätzte Personen sind, wenn sie ein offenes Wesen haben und kontaktfreudig sind, oft auch beliebt.

Was heißt das jetzt im Unternehmenskontext?

Lernen Sie die Werte der Kollegen und Mitarbeiter und natürlich der Vorgesetzten kennen! Hören Sie zu und beobachten Sie! Sprechen Sie über Ihre eigenen Werte. Zum Beispiel: Mir ist wichtig, dass….
Zeigen Sie Ihren Mitarbeitern – und natürlich auch Ihrem Vorgesetzten (m/w) – dass Sie sie wertschätzen.
Nehmen Sie wahr, wenn ein Projekt erfolgreich läuft, wenn eine Aufgabe gut erledigt wurde und kommunizieren Sie das an Ihre Gesprächspartner!
Achten Sie auf Stimmungen und sprechen Sie an, dass Sie diese wahrnehmen. Es geht nicht nur um konkrete Leistungen, es geht auch um Verhalten oder Eigenschaften. Erkennen Sie diese an, sind Ihre Mitarbeiter mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr viel motivierter.
Führen Sie eine konstruktive Feedbackkultur und lernen Sie gemeinsam aus Fehlern.
Machen Sie deutlich, dass auch die „gewissenhafte“ tägliche Erledigung des Jobs ein wichtiger Wert ist, der geschätzt werden kann und nicht nur langweilige Routine.
Fördern Sie persönliche und fachliche Weiterentwicklung.
Bedanken Sie sich, auch für Selbstverständlichkeiten.
Und um noch ganz basic zu werden, halten Sie jemandem die Tür auf. Ich finde es unglaublich, wie oft das nicht passiert und dass in der Schule selten ein Schüler dem anderen NICHT die Tür vor die Nase fallen lässt!!!!

Sie sehen, es kann „ganz leicht“ sein und vielleicht sogar selbstverständlich, nur nehmen wir es häufig gar nicht wahr und geben es noch viel häufiger nicht weiter oder zurück. Alleine der Satz: „Ich nehme gerade wahr/Ich sehe, dass Ihnen … ganz wichtig ist.“ Kann „Wunder“ bewirken.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen viel Aha-Momente beim Ausprobieren.

Schreiben Sie mir, was Ihnen weitergeholfen hat und wie Sie Ihre Werte am einfachsten herausgefunden haben.

 

Um dieses Thema geht es natürlich auch in meinem Bewerbungsbooster. Das heißt, wenn Sie gerade unglücklich in Ihrem Job sind und überlegen, woran das liegt und wo es Ihnen wieder besser geht, kommen Sie zum Bewerbungsbooster. Wir erarbeiten gemeinsam Ihre Standortanalyse und tasten uns vor zum  „Traumjob“. Ich verrate natürlich auch als Personalprofi, wie Sie dann Ihre Bewerbung erstellen.

1 Tag-Workshop am 16. November 2019 in Langenfeld, noch gilt der Frühbucherpreis.